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Rückblick 90 Jahre Musikverein "Echo" Ubstadt e.V.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Musikerinnen, liebe Musiker,

es war nicht immer so, dass wir egal wo wir stehen, gehen, fahren oder fliegen Musik hören können. Die Entwicklung der letzten Jahre war auf diesem Gebiet rasant, jedoch vor neunzig Jahren war das noch ganz anders.

In Ubstadt, wie auch in anderen Orten wurden natürlich auch Feste gefeiert, wollte man Musik zum mitsingen oder zum tanzen haben, musste man Musiker engagieren. So gibt es Anfang des 20. Jahrhunderts Hinweise auf Gruppen in Ubstadt, u. a. auf die Familie Schnatterbeck, die zu solchen Anlässen gespielt haben.

Das dürfte mit einer der Gründe für die Entstehung unseres Musikvereins "Echo" Ubstadt im Jahre 1921 gewesen sein. Als Gründungsmitglieder zählen 14 Personen, die erste Satzung des Vereins vom 07. Juli 1927 haben dann folgende Musiker unterschrieben:

Franz Eiser, Otto Keller, Joseph Schwobenthal, Karl Thome, Hermann Geuder, Rudolf Janner, August Beyerle, Franz Schnatterbeck, Otto Walter, Leonhard Keller, Willi Bindschädel und Karl Schnatterbeck. Auf dem Bild aus 1952 vor dem heutigen Rathaus sind einige dieser Personen zu sehen. Der 1. Vorsitzende des Vereins war Josef Brecht.

Ein leichtes Schmunzeln kann man sich beim Lesen dieser Satzung, die nur 7 Punkte umfasst, kaum verkneifen.

In Punkt 1 ist der Name Musikverein "Echo" Ubstadt festgelegt.

Dann heißt es in Punkt 2: "Jedes Mitglied der Kapelle muss auf das Beste bemüht sein, in musikalischer, sowie in moralischer Beziehung das Beste zu leisten, damit keine Klagen über das Orchester aufkommen können." Früher wie heute wurde auch mal was getrunken, deshalb sind wohl später 3 Worte ergänzt worden. "Nüchternheit ist Grundbedingung!"

Unsere heutige Satzung unterscheidet sich von dieser ersten sehr stark. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass folgende Sätze heute noch akzeptiert würden: "Es ist Ehrensache eines jeden Mitgliedes, sich den diesbezüglichen Anordnungen des Ausschusses zu fügen."

Oder "versäumt ein Mitglied mehrmals die Proben, so kann derselbe auch bei Geschäften nicht berücksichtigt werden. Der Kassier ist zum Einzug der Strafen vollauf berechtigt, für die Strafen haftet jedes Mitglied mit seiner Kaution.

In diesem Rahmen hat sich das Vereinsleben wohl abgespielt bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. Danach ruhte bis 1945 zwangsläufig alles. Mit Bescheid der Militärregierung erhielt der "music-club" "Echo" Ubstadt am 01.07.46 die Erlaubnis, das Vereinsleben wieder zu aktivieren. Als Präsident ist aufgeführt Julius Küstner, er war dies von 1934 � 1953. Aber lesen Sie selbst, ich habe den Bescheid und die Satzung ausgehängt.

Der Neubeginn nach dem Krieg war nicht einfach. Es hat doch an sehr vielem gefehlt, an Instrumenten, die man auch mal gegen Tabak in Ulm eingetauscht hat, an Notenmaterial, das soweit vorhanden, vielfach noch per Handschrift geschrieben war. Mit Kopieren war nichts drin, abschreiben (erlaubt) war angesagt.

Für den Verein war es ein Segen, dass nach dem Kriege viele Heimatvertriebene nach Ubstadt kamen.

So auch die ersten Dirigenten der Nachkriegszeit, Johann Fuchs und später Matthias Kimberger, die zu jener Zeit selbst mitspielten, also wie im Fußball, Spielertrainer waren.

Auf dem Bild aus 1956, vor dem Kriegerdenkmal beim alten Rathaus, sind wir 20 Musiker, davon 15 Heimatvertriebene.

Zu dieser Zeit fuhren wir zu den Musikfesten nach Oberöwisheim, Münzesheim, Menzingen oder Neuenbürg mit einem kleinen Hanomag-LKW der Firma Engler auf der Ladepritsche, mit Stefan Engler als Fahrer und Es-Klarinettisten.

Ihn löste ich damals ab, nicht als Fahrer, ich war erst 9 Jahre, als Es- Klarinettist natürlich.

Unser Proberaum, unser Konzertraum, unser Lagerraum, einfach unser Vereinslokal war der "Löwen". Dort spielte sich alles ab. Die Vorstandsitzungen im Nebenzimmer, die Probe und die Veranstaltungen im Saal, ausnahmsweise auch mal in der Kegelbahn neben geräucherten Schinken.

Erich Knopf war unser Vorstand und Julius Seufert aus Unteröwisheim unser Dirigent.

Eine Ausbildung wie heute gab es nicht. Wer 3 gerade Töne auf einem Piston blasen und Noten lesen konnte, war schon dabei, "learning by doing" war angesagt. Bei 12 bis 14 Musikern war man ja um jeden weiteren sehr froh.

Es kamen 1958 weitere Jungmusiker dazu, es gab damals, zwar nur kurze Zeit, aber es gab sie, eine Jugendgruppe. 1959 als unser damaliger Vizedirigent Wendelin Klinger das Weihnachtskonzert vertretungsweise dirigierte, reichte noch die 20 qm große Bühne für alle Musiker. Und heute reicht uns kaum diese Bühne hier, die nur unwesentlich kleiner ist, als der ganze Löwensaal mal war. Das Weihnachtskonzert am 2. Weihnachtstag war für unsere passiven Mitglieder frei, es waren damals 211. Für die Öffentlichkeit spielten wir dann nochmals an Dreikönig.

Es waren natürlich nur männliche Musiker, die erste junge Frau kam zu uns 1964, es war Renate Ruhland, dann 2 Jahre später unsere Monika, sie ist heute noch dabei. Übrigens unsere Frauenquote kann sich sehen lassen, rund 33 %, insbesondere bei den Klarinetten- und Flötenregistern und dies sind wirklich starke Register.

Der Stamm von so vielen jungen Musikern überzeugte im Dezember 1959 Bernhard Bender und er sagte nach einer Probe zu, als Dirigent nach Ubstadt zu kommen. Im Nachhinein wird jeder, der dabei war, ehrlich zugeben müssen, dass unsere Vorstandschaft, an der Spitze Paul Rath und Karl Schenk mit Karl Beyerle als Mann im Hintergrund, der die Fäden zu Bernhard Bender in Siemens gesponnen hatte, wirklich eine glückliche Hand hatte.

Wir nahmen nach und nach mit zunehmenden Erfolgen an Wertungsspielen teil, sogar in der Oberstufe mit einem Stundenchor 1968 in Oberöwisheim. Auch haben wir große Feste ausgerichtet. Das 40 - jährige Bestehen 1961, das Bezirksmusikfest 63 auf dem Sportplatz mit Wertungsspielen im Zelt.

Bei der Generalversammlung 1970 wurde Karl Müller zum Vorstand gewählt, er war es bis 1975. In seine Zeit fiel unser 50 � jähriges Jubiläum wieder mit Bezirksmusikfest und Wertungsspielen in den Engler � Hallen beim Häuserweg. Er hat dieses Fest mit viel persönlichem Einsatz organisiert, auch mit einem sehr umfangreichen Festbuch, die sehr ausführliche Chronik schrieb darin Karl Serden. Das Fest und das Festbuch brachten dem Verein einen ansehnlichen Betrag aufs Konto, den es bis dahin nicht gegeben hatte. Das Geld wurde gut in Instrumenten und Noten angelegt, der Verein hatte seitdem auch erstmals was in Reserve.

Als Kassier hatte ich in den Jahren 1971-1975 damit andere Beträge zu verwalten als 1954 unser langjähriger Ehrenmusiker Franz Tauer. Er hatte gerade mal bar DM 285 + DM 14 auf dem Sparbuch. Das würde heute reichen für die Noten eines guten Konzertstückes.

Nach Bernhard Bender hatten wir 2 Jahre Helmut Burkard als Dirigenten, der danach als Musiklehrer nach Kairo ging.

Wir Musiker tagten beim 1. Grillfest am 1. Mai 1974 auf einer Wiese und kamen zum Ergebnis, es mit unserem damaligen Vize Erich Eiser als Dirigenten zu versuchen. Wir hatten für 20 Jahre die richtige Entscheidung getroffen. Übrigens, wir führen die Grillfeste seitdem, zwar an anderem Ort und zu anderer Zeit, aber immer noch regelmäßig mit der ganzen Musikerfamilie durch.

Ein besonderer Tag war der 1. Juli 1984. Wertungsspiel in Empfingen, unser Ergebnis ein 1. Rang mit Auszeichnung, es war die Tagesbestleistung.

Besonderen Wert legte Erich Eiser auf die Jugendausbildung, was dem Verein sehr gut tat. Viele Jugendliche wurden vom ihm ausgebildet, die teils heute noch dabei und gute Stützen des Vereins sind. Jugendausbildung blieb bis heute ein Schwerpunkt.

Aktuell sind 81 Jungmusiker in der Ausbildung mit 12 Ausbildern und dahinter steht eine äußerst engagierte Jugendabteilung mit Andreas Krämer als Leiter, Markus Schmitt und Corinna Zeiler als Jugenddirigenten. Da kann man mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Aber bei dieser Gelegenheit möchte ich nicht die Jugendleiter bzw. -dirigenten dazwischen vergessen. Sehr erfolgreich agierten Alexander Fels, sein Bruder Matthias Fels und auch Philipp Zink.

Als Nachfolger für Vorstand Karl Müller kam 1975 dann unser heutiger Senior der Aktiven Otto Brecht, er führte 8 Jahre lang erfolgreich den Verein, ich selbst löste ihn dann 1983 als Vorstand ab. Den Vorsitz gab ich dann 1989 an unseren heutigen Vorstand Günter Lehanka weiter, was sicher eine sehr gute Entscheidung war, er ist jetzt schon 22 Jahre unser Vorstand, länger als alle anderen zuvor.

In seine Zeit fielen bis heute mehrere Dirigentenwechsel, große Reisen aber auch tragische Vorfälle.

So beendete Erich Eiser mit dem Jahreskonzert 1993 seine Dirigententätigkeit und übergab den Taktstock an Christian Buss. Dieser war dann Dirigent bis zum Konzert Ende 2001. Für eine kurze Interimszeit von 1 � Jahren dirigierte uns Peter Vamosi. Recht kurzfristig übernahm dann Jürgen Luft die Leitung des Orchesters, der beim letzten Jahreskonzert diese an unseren jetzigen Dirigenten Oliver Grote übergab.

Unter Christian Buss und Jürgen Luft erreichten wir ganz neue Bereiche. Christian Buss begann den Weg zum sinfonischen Blasorchester mit der Besetzung von Bassklarinette, Oboe und Fagott und damit wurde auch die Stückeauswahl eine ganz andere, ohne jedoch zu vergessen, dass wir auch gute Blasmusik in Form von Märschen und Polkas beherrschen. Jürgen Luft setzte dies fort und wir sind sicher, dass wir mit Oliver Grote den richtigen Nachfolger gefunden haben.

Auch Kirchenmusik können wir, dies haben wir bei 2 Konzerten und nicht zuletzt vor einer Woche, am Sonntag beim Gedenkgottesdienst für unsere verstorbenen Mitglieder eindrucksvoll bewiesen.

Der Verein setzte die erfolgreiche Zeit der Straßenfeste in Ubstadt, die 1983 begann, fort und finanziert damit und mit einigen anderen Veranstaltungen unsere doch recht großen Ausgaben für Instrumente, Noten und Dirigenten.

Sehr erfolgreich waren wir bei den Wertungsspielen 95 + 2000 in Karlsruhe, 98 in Weingarten, 2006 in Prag und 2009 in Oberhausen. Aber auch hören lassen konnten sich unsere Open Air Konzerte beim Grünen Winkel und bei der Kirche, aber auch unsere beiden Hitparaden, die wir fortsetzen wollen.

Besondere Highlights waren schon immer die Jahreskonzerte, die von Jahr zu Jahr besser und anspruchsvoller wurden, nicht zuletzt seit auf Drängen von Christian Buss hin, wir seit 1999 keine Bewirtung während des Konzertes mehr haben, die Konzerte haben einen ganz anderen Rahmen.

Wir erinnern uns auch gerne an schöne Ausflüge,

Was ganz besonderes sollte dann die Reise nach Brasilien werden, die so tragisch mit dem Tode von Christian Buss am 18.08.2008 endete. Ein Jahr später am 19.09. verunglückte unser junger talentierter Musiker Julian Rapport. Die 2 Beerdigungen waren für uns Musiker wohl die schwierigsten Stunden, in denen wir dennoch versuchten musikalisch unser Bestes zu geben. Es waren schwere Zeiten für den Verein, die uns alle in Erinnerung bleiben werden.

Zu einem erfolgreichen Verein, und das sind wir, so behaupte ich, gehört auch eine gute Verwaltung. Diese haben wir seit Jahren einmal in der engeren Vorstandschaft, aber auch mit der Mannschaft dahinter, konnten die jeweiligen Vorstände immer rechnen.

Bei den vielen Aktivitäten im wirtschaftlichen Bereich kann sich Günter auf seine Leute unter Führung von Felix Schmidt verlassen, der seit Jahren für den Wirtschaftsausschuss verantwortlich und seit einiger Zeit auch unser 2. Vorstand ist. Davor führte sein Vater Valentin Schmidt jahrelang den Bereich genau so verantwortlich und gewissenhaft.

An dieser Stelle erlauben Sie mir eine Person zu erwähnen, die seit Jahrzehnten für das Erscheinungsbild unseres Vereins nach außen enorm viel und sehr Gutes leistet. Es ist unsere Monika Streicher, ich erinnere nur an die Straßenfeste und an unsere Jahreskonzerte. Die Bühnenbilder und das Ganze drum herum sind einfach immer wieder Spitze. Wir machen gute Musik, die braucht einen guten Rahmen um sie zu präsentieren, den schafft unsere Monika, dafür herzlichen Dank.

Ein besonderes Lob an dieser Stelle der Gemeindeverwaltung Ubstadt-Weiher für die jahrelange Unterstützung, sei es in Form von Bereitstellung der Räumlichkeiten für die Proben und Veranstaltungen, in Form von Zuschüssen für Instrumente und Noten, und ganz besonders für die Hilfe nach "Brasilien". In Vertretung auch der früheren Bürgermeister, danke ich Ihnen Herr Bürgermeister Tony Löffler recht herzlich. Ebenso gilt unser Dank unserem Blasmusikverband unter der langjährigen Leitung von Herrn Michael Weber, man hat uns da nach Brasilien auch ganz besonders unterstützt.

Ich darf mit großer Genugtuung feststellen, beim Musikverein Ubstadt gab es in den letzten Jahrzehnten keine ernsthafte Krise. Es ist auch bei uns nicht leicht, immer Nachfolger für ausgeschiedene Mitglieder in der Vorstandschaft zu finden, aber sie finden sich. Auch finden wir immer wieder Aktive, die Verantwortung übernehmen, sei es als Musikervorstand, als Noten- und Gerätewarte, teils schon viele Jahre lang. Es gibt auch bei uns Meinungsverschiedenheiten, man redet darüber auch mal länger und evtl. noch mal, aber man findet irgendwann dann doch eine Lösung. So soll es bleiben, das wäre ein großer Wunsch von mir.

Den Verantwortlichen des Vereins ist bewusst, dass wir in Erfüllung unserer Vereinsaufgabe, insbesondere mit der Jugendausbildung und dem regelmäßigen musizieren mit entsprechenden Auftritten, für die Mitbürger und die Gesellschaft Gutes tun.

Wer junge Menschen in eine Gemeinschaft integriert, sie in der Musik ausbildet und ihnen in ihrer Freizeit eine sinnvolle Beschäftigung gibt, der wirkt für unsere Gesellschaft positiv. Aber auch für Erwachsene ist es gut, sich in einer Gemeinschaft gut aufgehoben zu wissen und Freunde zu haben.

Lasst uns deshalb alle zusammen das Vereinsleben weiter so aktiv gestalten mit guter Musik zu unserer persönlichen Zufriedenheit, aber auch zum Wohle der Allgemeinheit und zum Wohle unseres Musikvereins "Echo" Ubstadt.

Ubstadt, 17.04.2011 - Karl Paxian